Das Drama am See -
eine spannende persönliche Anekdote

(Teil 1 von 2)

Meine kleine Tochter, damals eben gerade drei Jahre alt, hat mich während des gesamten Rundgangs um den Zieselsmaarsee (s. vorherige Seite) wacker begleitet. Wir genossen es sehr, die ersten Sonnenstrahlen des Jahres 2000 Vorsicht und Geschicklichkeitzu spüren und ohne Störung, ohne Autos oder andere Gefahren in aller Ruhe unseren Weg gehen zu können.

In Ufernähe erklärte ich der Kleinen, daß das Wasser noch sehr kalt und außerdem sehr tief ist und daß man hier jetzt auf keinen Fall reingehen kann. Zufrieden beobachtete ich, daß sie diese Erläuterungen -so wie sonst meistens auch- respektierte und sich in der Nähe des Wassers vorsichtig und geschickt bewegte.

Als wir dann wieder in die Nähe des Gelände-Einganges kamen, erregte dort der Bootssteg unsere Aufmerksamkeit. Sommer-BadespaßDieser ragt etwa einen guten halben Meter hoch über dem Wasser mehrere Meter weit in den See hinein.

Ich ging mit der Kleinen Hand in Hand bis an dessen Ende. Dort setzten wir uns einen Moment und schauten über den See. "Im Sommer, wenn es warm ist, kann man hier wunderbar baden. Dann springen die Kinder im hohen Bogen ins Wasser und haben einen Heidenspaß." Das gefiel meinem Kind und innerlich beschloß ich, ihr im Sommer ein solches Vergnügen hier oder woanders einmal zu verschaffen.

Hand in Hand gingen wir zurück ans Ufer. Von der nebenan vertäuten Badeinsel wollte ich noch ein Foto über den See hinweg aufnehmen, mit ganz besonderer Perspektive. Um diese zu schaffen, legte ich meinen Rucksack beiseite und kniete mich hin. EiseskälteMein Töchterchen lief währenddessen einen Moment sich selbst überlassen hinter mir am Ufer entlang.

Just eben vor der Aufnahme, gewissermaßen zeitgleich, hörte ich irgend etwas ins Wasser platschen. Einen Moment dachte ich noch "Eigenartig, was war denn das...?", sehe mich um und sehe - schlichtweg nichts. Mein Töchterchen ist weg! Da wird mir endgültig klar, daß das eben nur meine Kleine gewesen sein konnte! LebensrettungUm Gottes Willen, das Wasser hat vielleicht mal gerade fünf Grad, womöglich noch weniger!

Ich lasse sofort alles stehen und liegen und laufe schleunigst die wenigen Schritte zurück an den Steg, von wo das Geräusch kam. Innerlich wird mir schon ganz komisch, denn es besteht kein Zweifel, daß ich ihr hinterher springen muß! Ohne Frage werde ich ihr hinterherspringen! Aber dieses eisige Wasser, ich bin ja nun auch keine 17 mehr und auch kein Wassersportler ...!

In diesem Moment erreiche ich den Ort des Geschehens. Zwar ist die Lütte offensichtlich zunächst einmal komplett unter Wasser gewesen, aber das Glück will es, daß sie dicke Kleidung und einen gut geschlossenen Anorak anhat, aus dem die Luft nicht entweichen konnte und der sich um sie herum jetzt aufgeplustert hat wie eine Schwimmweste. Mund-zu-Mund-BeatmungBis ich bei ihr bin, für diese wenigen Momente, reicht das, sie sicher über Wasser zu halten.

Ich knie mich auf den Bootsteg über sie und bekomme von oben tatsächlich sofort den Stoff zu fassen. Ein kräftiger Ruck und mit nur einem Arm ziehe ich ein durchnäßtes Kind samt aufgequollener Montur zurück in Sicherheit. Was hat man doch in solchen Augenblicken für Kraftreserven!

Den Rücken mir zugewandt, sitzt sie nun wieder auf dem Steg. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf mein Kind, horche und höre ... - nichts. Hat sie jetzt Wasser geschluckt und muß beatmet oder gar wiederbelebt werden? Kann ich das überhaupt? So etwas habe ich noch nie wirklich tun müssen! Erstaunlich, wie schnell in solchen Situationen tausend Fragen in einem auftauchen.

Fortsetzung ...

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